Das Schweizer Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) hat intern die Möglichkeit geprüft, die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen vorübergehend von 120 auf 80 km/h zu senken, um im Fall einer schweren Mangellage Kraftstoff einzusparen. Parallel dazu hat der Bund Diesel und Kerosin aus den staatlich vorgeschriebenen Pflichtlagern freigegeben.
Behörde und Begründung
Das BWL bewertet die Lage bei Mineralölprodukten insgesamt als angespannt; speziell bei Diesel nennt es die Situation als „sehr angespannt“. In einer verwaltungsinternen Ämterkonsultation wurde die Temporeduktion als eine mögliche Maßnahme diskutiert, die laufende Lagerbezüge begleiten und Treibstoff sparen könne. Ein BWL‑Sprecher ordnete die Maßnahme gegenüber dem Portal Nau.ch als Teil der vorbereitenden Maßnahmen für eine schwere Mangellage ein.
„Die Temporeduktion ist eine der Maßnahmen, die für eine schwere Mangellage vorbereitet werden.“ — BWL‑Sprecher Thomas Grünwald (gegenüber Nau.ch)
Freigabe aus Pflichtlagern und Mengen
Der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung, Roland Pfister, hat vom 23. Oktober bis 22. November Bezüge von bis zu 45.000 Kubikmetern Diesel aus den Pflichtlagern bewilligt. Das Amt bezeichnet diese Menge als knapp vier Prozent des vorhandenen Bestands; bezogen auf den Inlandsabsatz von rund 2,6 Millionen Tonnen Diesel im Jahr 2025 entspricht sie dem landesweiten Verbrauch von etwa fünf Tagen.
| Parameter | Angabe (Quelle: BWL / heise) |
|---|---|
| Aktuelles Autobahn‑Tempolimit | 120 km/h |
| Erwogene Reduktion | 80 km/h |
| Bezug aus Pflichtlagern | 45.000 m³ Diesel (23.10.–22.11.) |
| Jahresinlandsabsatz Diesel (2025) | 2,6 Millionen Tonnen |
| Entsprechender Verbrauch | ca. fünf Tage |
Ursachen der Engpässe
Im Lagebericht nennt das BWL mehrere Gründe: sehr niedrige Rheinpegel, die den Transport per Binnenschiff beeinträchtigen, ungeplante Stillstände und Wartungen in Raffinerien, Verzögerungen beim Umladen von Rohöl durch starke Regenfälle sowie logistische Engpässe im Bahnverkehr. Global wirkten sich eingeschränkte Schifffahrt durch die Straße von Hormus und Angriffe auf Schiffe zusätzlich belastend aus. Die Raffinerie Cressier war im September für zwei Wochen außer Betrieb, produziert inzwischen wieder normal.
Konsequenzen und Status
Die Temporeduktion ist bislang Gegenstand interner Konsultationen; ein Beschluss oder eine gesetzliche Anordnung liegt nicht vor. Das Amt betont, die Energieversorgung sei grundsätzlich gesichert, doch die Lage bei einzelnen Mineralölprodukten bleibe fragil. Die Freigabe von Diesel und Kerosin aus Pflichtlagern ist bereits formell genehmigt worden.
- Rechtslage: Es handelt sich um vorbereitende Maßnahmen und Entscheidungsprozesse der zuständigen Bundesbehörde in der Schweiz.
- Relevanz für Reisende: Mögliche kurzfristige Verkehrsbeschränkungen oder Tempolimits könnten auch grenzüberschreitende Fahrten betreffen.
- Stand: Interne Ämterkonsultation; keine öffentliche Verordnung zum Tempolimit zum Zeitpunkt der Meldung.